Die Hoffnung in derwar groß, als die Mannschaft die letzte Runde der Asien-Qualifikation für die FIFA Fussball-WM Russland 2018™ erreichte. Schließlich datiert die bislang einzige Endrundenteilnahme von 2002 und dem Turnier in Korea und Japan. Doch nach nur drei Spielen hängen die Hoffnungen der Chinesen bereits am seidenen Faden. Zwei Niederlagen und ein Unentschieden lautet die bisher überaus magere Zwischenbilanz. Bei noch sieben zu absolvierenden Spielen bedeutet dies einen schweren Dämpfer für die Erfolgsaussichten der Chinesen.

Es versteht sich von selbst, dass die Schützlinge von Trainer Gao Hongbo am Dienstag gegen Usbekistan unbedingt punkten müssen, um ihre Hoffnungen noch am Leben zu halten. Der ehemalige Nationalstürmer Qu Bo brachte kürzlich in einem Exklusivinterview mit FIFA.com seine Unterstützung für das Team zum Ausdruck, das nun unter enorm hohem Erfolgsdruck steht.

„Das ist ein entscheidender und schwieriger Moment“, so der 34-jährige Angreifer, der in 16 WM-Qualifikationsspielen fünf Tore für die VR China erzielte. „Doch gleichzeitig ist es auch ein großartiger Moment für die Spieler. Schließlich spielen sie für die Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation. Ich sage mir selbst und meinen Teamkameraden stets: Ein Star kann man bei seinem Klub werden, aber ein Held für sein Land nur in der Nationalmannschaft. Ich hoffe, sie können ihre Chance nutzen.“

 

Durchbruch in der WM-Qualifikation
Vor 15 Jahren qualifizierte sich die VR China unter Trainerlegende Bora Milutinovic zum ersten und bis heute einzigen Mal für das größte Fussballturnier der Welt. Qu gehörte damals zu den Leistungsträgern des Teams. Als aufstrebender Star hatte er bei fünf Einsätzen in der WM-Qualifikation zwei Tore beigesteuert.

„2001 war ein großartiges Jahr meiner Karriere“, sagt er im Rückblick auf den denkwürdigen Erfolg in der WM-Qualifikation. „Mein erstes FIFA-Turnier war die U-20-WM in Argentinien, bei der ich zwei Tore erzielte. Danach wurde ich in die Nationalmannschaft berufen und kam in mehreren WM-Qualifikationsspielen zum Einsatz, wobei ich auch einige Tore erzielte. Wir haben es tatsächlich zur WM geschafft!

Für mich wurde damit ein großer Traum wahr. Mehrere Jahre zuvor hatte ich unser Team in Dalian in einem WM-Qualifikationsspiel für Frankreich 1998 gesehen. Damals fragte ich mich schon, wann ich selbst einmal für unser Land spielen würde. Immer wieder sagte ich mir, dass ich hart arbeiten müsse, um dieses Ziel zu erreichen. Innerhalb von vier Jahren hatte ich es geschafft. Ich wurde Nationalspieler, trat in der WM-Qualifikation an und schaffte es mit dem Team sogar zur WM-Endrunde.“

Eine zu breite Kluft
Bei Chinas WM-Debüt war Qu erst 20 Jahre alt und damit der zweitjüngste Akteur im Kader. Nach seinen Leistungen bei der FIFA U-20-WM und in der WM-Qualifikation galt er mit seiner Spritzigkeit, seinen schnellen Antritten und kraftvollen Abschlüssen als Youngster mit großem Potenzial.

„Ich ging mit großen Hoffnungen in meine erste WM“, so Qu, der in allen drei Spielen der Chinesen zum Einsatz kam. Dabei gab es allerdings drei Niederlagen und neun Gegentore ohne eigenen Treffer. „Nachdem wir uns in der Asien-Qualifikation durchgesetzt hatten, träumte ich schon davon, auch bei der WM gut abzuschneiden. Doch in unseren Gruppenspielen wurde uns eindeutig klar gemacht, wie groß die Kluft zwischen den besten Teams der Welt und uns war. Dabei zeigten die reinen Ergebnisse nicht einmal das ganze Ausmaß unserer Unterlegenheit. Wir waren einfach in allen Belangen klar unterlegen: Schnelligkeit, Technik, Kraft und Spielanalyse.“

Im zweiten Gruppenspiel gegen Brasilien wurden die Chinesen und Qu mit seinen großen Ambitionen endgültig unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 35 Minuten vor Schluss lagen die Südamerikaner klar und uneinholbar mit 4:0 in Führung. Qu, der wegen seiner außergewöhnlichen Schnelligkeit den Spitznamen „Windjäger“ trägt, wurde von Milutinovic für Hao Haidong ins Spiel gebracht, um vielleicht doch noch das erste Tor für die Debütanten zu erzielen.

„Ich hatte schon kurz nach meiner Einwechslung eine große Torchance“, erzählt Qu, der als Einwechselspieler bei der angesprochenen FIFA U-20-Weltmeisterschaft seine Schnelligkeit genutzt hatte, um den Ausgleich gegen den späteren Titelträger Argentinien zu erzielen. „Ich nahm den Ball an und ließ einen Verteidiger hinter mir. In einem Spiel in der einheimischen Liga oder auf asiatischer Bühne hätte sich daraus sicher eine gute Eins-gegen-Eins-Chance gegen den Torhüter entwickelt. Doch dort tauchte plötzlich ein weiterer brasilianischer Verteidiger auf und jagte mir den Ball ab, als ich schon das Tor fixierte. Das war Roberto Carlos.“

Im Rückblick hält Qu seine WM-Teilnahme dennoch für ein unvergessliches Erlebnis, dass er sein Leben lang schätzen wird. „Ich war bei dieser WM in Korea und Japan noch zu jung. Heute weiß ich, wie ungeheuer wertvoll diese WM-Erfahrung ist. Ich würde mit einer Kamera jede Sekunde aufzeichnen, wenn ich noch einmal als 20-Jähriger bei einer WM dabei wäre. Unsere Mannschaft hat durchaus noch Chancen und ich hoffe, dass sie die Erwartungen erfüllen kann.